Erstes Brennstoffzellenschiff der Welt hat Betrieb aufgenommen

Das Herzstück der „FCS Alsterwasser“, der innovative Brennstoffzellen-Hybridantrieb, stammt von Proton Motor

Am 29. August 2008 feierte Hamburg eine Weltpremiere: Das brennstoffzellenbetriebene Fahrgastschiff FCS Alsterwasser wurde durch die Hamburger Senatorin Anja Hajduk in Anwesenheit des Bundesministers für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Wolfgang Tiefensee, getauft. Das Herzstück des neuen Alsterdampfers, der innovative Brennstoffzellen-Hybridantrieb, stammt von Proton Motor. Das Zemship (Zero Emission Ship) wird ab sofort im Hamburger Hafen bis zu 100 Passagiere pro Tour vollständig emissionsfrei befördern.

Mit dem Projekt Zemships beschreitet Proton Motor Neuland im Bereich von Brennstoffzellen-Schiffsantrieben: Bisher gab es Brennstoffzellensysteme für maritime Anwendungen in dieser Leistungsklasse nur für militärisch genutzte Unterseeboote. Das Zemship ist somit das weltweit erste Projekt bei dem ein brennstoffzellengetriebenes Fahrgastschiff realisiert wurde. Für den emissionsfreien Antrieb hat Proton Motor das 48-kW-Brennstoffzellensystem PM Basic A 50 maritime entwickelt und zwei dieser Aggregate zusammen mit einer Blei-Gel-Batterie als Hybridsystem in das Schiff integriert. Sowohl von der Bauform als auch von der technischen Ausführung wurden Anpassungen an das maritime Einsatzfeld gemacht. Die Systeme wurden vom Germanischen Lloyd für den Schiffsbetrieb zertifiziert. Dieser hatte das System bereits in Puchheim im „Factory Acceptance Test“ begutachtet und abgenommen.

Alsterwasser

Fuel Cell Ship: FCS Alsterwasser

Intelligente Arbeitsteilung zwischen Brennstoffzelle und Batterie

Zum Brennstoffzellensystem gehören nicht nur die Brennstoffzellenstacks, sondern in der Baugruppe sind gleichzeitig auch alle wichtigen Peripherieaggregate kompakt verbaut. Auf diese Weise werden Schnittstellen minimiert und die Schiffsintegration deutlich vereinfacht und beschleunigt. So gehören zur Baugruppe beispielsweise die Luftzuführung mit Kompressor, die Druckreduzierung für Wasserstoff und der komplette primäre Kühlkreislauf.

Das integrierte Batterie-Paket nimmt überschüssige Energie aus den Brennstoffzellen auf, beispielsweise wenn bei Zwischenstopps wenig Leistung benötigt wird. Ist Spitzenleistung gefordert – zum Beispiel bei den An- und Ablegemanövern – dann liefern die Batterien die Energie wieder an den Motor. Die Arbeitsteilung zwischen Brennstoffzellen und Batterie koordiniert ein intelligentes Energiemanagementsystem. Für die Energieversorgung werden bis zu 50 kg des gasförmigen Wasserstoffs in 350-bar Drucktanks an Bord des Schiffs gespeichert, um so Energie für einen etwa dreitägigen Einsatz bereitzustellen.

Doppelt so effizient wie herkömmliche Dieselschiffe

Unter der Federführung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg hatten sich neben Proton Motor acht weitere Partner zusammengefunden, die ihr spezifisches Know-how in das Projekt einbrachten. Die Europäische Union fördert den Betrieb des Schiffs im Linienbetrieb der Alster bis 2010. Die Gesamtbeteiligung der EU an dem Projekt beläuft sich auf 2,4 Millionen Euro. Ziel des nun beginnenden Einsatzes des Schiffs ist es, den emissionsfreien Antrieb in der Praxis zu testen und Verbesserungspotenziale der Technologie zu analysieren.

Mit dem integrierten Proton Motor Brennstoffzellen-Hybridantrieb entstand ein Schiff, das nicht nur völlig emissionsfrei, sondern auch fast doppelt so effizient wie herkömmliche Dieselschiffe läuft. Dieses Projekt beweist die Praxistauglichkeit unserer Produkte und bietet die Chance, einen völlig neuen Markt zu erschließen und damit unsere Vorreiterstellung im Bereich Cleantech weiter auszubauen

so Anno Mertens, Projektleiter Zemships bei Proton Motor.

Ausgezeichnet mit dem silbernen f-cell Award

Im Rahmen der Stuttgarter Wasserstoff-Fachmesse f-cell wurde das Zemship am 29. September 2008 mit dem silbernen f-cell Award ausgezeichnet. Bereits zum fünften Mal schrieben dieses Jahr das Umweltministerium Baden-Württemberg und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH gemeinsam mit der EnBW AG den vom Land Baden-Württemberg gestifteten f-cell Award aus. Ziel der Auszeichnung ist es, herausragende Entwicklungen in Sachen Brennstoffzellen zu würdigen und weitere Innovationen auf diesem Gebiet zu stimulieren. Eine Jury bewertete die Projekte nach dem technologischen Konzept, dem Innovationsgrad, dem Marktpotenzial, der Wirtschaftlichkeit, der Ausstrahlung auf andere Branchen sowie dem Nutzen für Gesellschaft und Umwelt. Dabei überzeugte insbesondere die anwendungsnahe Entwicklung des Zemships die Jury, die das Schiff mit dem f-cell Award Silber prämierte, der mit 5.000 Euro dotiert ist.